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Das 2003 verabschiedete Entgelt-Rahmenabkommen (kurz ERA) zwischen der IG Metall und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall bedeutet damals eine echte Reform der bisherigen Entgeltstruktur. Es ging vor allem darum, die historisch gewachsene Trennung von Arbeitern und Angestellten zu beseitigen, die nicht mehr in die Zeit passte. Beider Entgelt wurde mit ERA vereinheitlicht und damit eine größere Entgeltgerechtigkeit auch zwischen den Gruppen geschaffen. Nun sind die mit der Computerisierung einhergehenden Veränderungen sind noch nicht abgeschlossen und organisatorisch verdaut, da erscheint mit der Vision der Industrie 4.0 und Arbeitswelt 4.0 die nächste (r)evolutionäre Entwicklung der Arbeitsorganisation am unternehmerischen Horizont.

Da stellt sich die Frage, passt das Entgeltrahmenabkommen der Metall- und Elektroindustrie überhaupt noch in die Zeit der Arbeitswelt 4.0 und Industrie 4.0? 

 ERA in Zeiten von Industrie und Arbeitswelt 4.0

Die ab Mitte der 1970er Jahre beginnende und bis heute andauernde dritte Phase der industriellen Revolution hat bekanntermaßen mit dem Einsatz der Elektronik und Informationstechnologien (IT) die Automatisierung von Produktionsprozessen vorangetrieben. Mit Industrie 4.0 (und auch der Arbeitswelt 4.0) als nächste Entwicklungsstufe, steht nun das Zusammenwachsen moderner Informationstechnik mit klassischen industriellen Prozessen zu sogenannten Cyber-Physical Systems (CPS) an. Die alte Lohnarbeit wird dabei, bedingt durch die zunehmende digitale Vernetzung, immer mehr durch Wissens- und Schöpfungsarbeiten abgelöst. Sprich: Das Rad dreht sich schneller, Innovationen entstehen in immer kürzeren Zyklen und der Wettbewerbsdruck steigt. Darauf müssen Unternehmen reagieren, vor allem mit entsprechend qualifizierten Mitarbeitern und flexibleren Strukturen, die eine schnellere Entwicklung von Produkten und Reaktion auf Anfragen von Kunden und Märkten möglich machen.

(Quelle: Abschlussbericht des Arbeitskreises Industrie 4.0: Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0)

 

Menschliche Kreativität wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor – an allen Punkten der Wertschöpfungskette

Das Neue an der Industrie 4.0 sind nämlich nicht allein die technischen Prozesse. Die echte Herausforderung besteht im Aufbau neuer sozialer Infrastrukturen der Arbeit, die die Einbindung möglichst vieler Beschäftigten in Innovationsprozesse sicherstellt. Dabei sprechen wir nicht nur von den üblichen Innovation-Labs und Entwicklungsabteilungen; hier geht es um alle Punkte in der Wertschöpfungskette. Denn auch oder gerade bei hochautomatisierten Abläufen, ist bei den Mitarbeitern eine hohe Lösungskompetenz zur Bewältigung bisher unbekannter Probleme gefordert. Computer und Roboter erledigen dabei die Routine-Arbeiten, der Mensch kümmert sich um alles, was nicht in die Routine passt.

Menschen können aber nur mit dem entsprechenden Handlungsrahmen effektiv und vor allem kreativ arbeiten. Der in der Vergangenheit durch eine hohe Prozessdichte und Qualitätsstandards eingeschränkte Handlungsrahmen der Mitarbeiter wird in der Welt der Industrie und Arbeitswelt 4.0 deutlich ausgeweitet werden müssen.
Die hierarchischen Kaskaden, wie wir sie heute in den meisten Unternehmen finden, sind für diese neuen Anforderungen schlicht ungeeignet. Sie produzieren hohe soziale, zeitliche und funktionale Lücken im Prozess. Flexible, lösungsorientierte und damit eine kreative Zusammenarbeit kann nur durch echte selbstverantwortliche Autonomie der Mitarbeiter entstehen. Und das heißt: mit dezentralen Führungs- und Steuerungsformen. Das erfordert eine neue, ganzheitliche Sicht auf Aufgaben, Qualifikationen, Erfahrungen und Kompetenzen, wie wir sie aus ERA kennen. Und natürlich auch auf die Entscheidungs- und Beteiligungsspielräume.

 

Wie finden die Anforderungen der Industrie 4.0 in den ERA-Profilen ihren Niederschlag? 

Die zentralen Werte der Arbeitswelt 4.0 sind Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Es geht deshalb um die Modernisierung der Qualifikations- und Anforderungsgrundlagen. Nur mit erweiterten Entscheidungs- und Beteiligungsspielräume werden neue Möglichkeiten für dringend benötigte Innovationen eröffnet. Gleichzeitig wird sich das Bewusstsein für die Bedeutung menschlicher Arbeit im Innovations- und Lösungsprozess erweitern. Diesen Aspekten muss auch bei der Auslegung der ERA-Kriterien und bei der Bewertung und Einstufung von Aufgaben im Rahmen des ERA-Prozesses neu Rechnung getragen werden.

Auch mit der alten ERA-Systematik besteht die Möglichkeit, diese erweiterten oder neuen Anforderungen zu definieren, die im Zuge dieser Veränderungen erforderlich werden. Und dies ist zugleich die Chance, die ERA bietet: Der eindeutige Bezug auf die Anforderungen, die eine Aufgabe mit sich bringt, macht es Arbeitgebern wie Beschäftigten transparent und nachvollziehbar, was von Ihnen verlangt wird. Auch in der Industrie und Arbeitswelt 4.0. So wird ein bestehendes und für manchen überholtes System zur Möglichkeit, die neuen Anforderungen fair, transparent und vor allem verbindlich darzustellen.

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