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Reinhard K. Sprenger, Autor verschiedener Managementbücher („Das anständige Unternehmen“, „Mythos Motivation“) hat in einem Interview in der Welt vom 16.11.2016 Donald Trump als „rhetorisches Naturtalent“ bezeichnet und Firmenchefs geraten, von Trumps Erfolg zu lernen. Eine höchst opportunistische und für einen Coachee gefährliche Sichtweise.

https://www.welt.de/…/Was-Firmenchefs-von-Trump-lernen-soll…

Trump sei ein Romantiker und stehe noch mehr als sein Vorgänger Barack Obama für die Wiedereinführung der Romantik in die Politik, meint Sprenger. Anders als Hillary Clinton habe Trump begriffen, dass es bei Wahlen nicht um Wahrheit, sondern um Gefühl gehe.

Sprenger spricht Trump Glaubwürdigkeit zu, trotz seiner, wie Sprenger es nennt, unwahren Tatsachenbehauptungen. Diese Glaubwürdigkeit wünsche Sprenger sich auch für Wirtschaftsmanager.

Von der guten Rhetorik eines Donald Trump könne man sich was abschauen. Er sei ein „rhetorisches Naturtalent“. Sprenger lege seinen Coachees eine ebensolche „bildreiche Sprache, kurze Sätze…“ nahe.

Zwar habe sich Sprenger auch einen anderen Ausgang der Wahl gewünscht, auch sei klar, dass Trump nur angetreten sei, um seine Firmen zu promoten, aber eines müsse man Trump lassen: „Hier hat ein Mann durch die Sehnsucht nach einem anderen Wirtschaftsleben eine wichtige Wahl gewonnen. Wenn man etwas von ihm lernen kann, dann das.“

Vielleicht erfolgreich, aber auf keinen Fall anständig!

In seinem letzten Buch, „Das anständige Unternehmen“ postuliert Sprenger Anstand als den Maßstab für Unternehmensführung („Das anständige Unternehmen“, DAV 2015). Anstand sei etwas „zwischen Menschen“, „so wie wir andere behandeln und so wie wir von ihnen behandelt werden“. Zwar sei Anstand nicht gleichzusetzen mit Ethik, Sprenger vertrete aber eine „pragmatische-konsequenzialistische Ethik“.

Diese Sicht fordere, „das man in Kenntnis der Spät- und Nebenwirkungen“ eine Entscheidung treffen könne, die nicht ideal sei, dafür aber pragmatisch. Jedenfalls dürfe die Therapie nicht schlimmer sein als die Krankheit.

Es ist eine elementare Aufgabe von Führungskräften sowie Politikern, in einer einfachen, verständlichen Sprache zu kommunizieren, ihr Anliegen verständlich und nachvollziehbar zu machen. Anstand bezieht sich dabei aber auch auf das zugrunde liegende Anliegen selbst.

Das letzte Mal als wir „rhetorischen Naturtalenten“ attestiert haben, dass es ja nicht so schlimm werden könne, wie sie es expressis verbis angekündigt haben, hat dies die Welt an den Rand des Abgrunds gebracht.

Nicht nur das Trump wie ein Viertklässler zumeist in Halbsätzen spricht (vgl. https://www.welt.de/…/Trump-spricht-die-Sprache-eines-Viert…), es ist auch in hohem Maße unanständig, was er im Laufe des Wahlkampfes gesagt hat.

Wenn sich Reinhard K. Sprenger demnach wünscht, dass Firmenchefs/Manager von Trump lernen mögen, scheint mir die Therapie deutlich schlimmer als die Krankheit. Unwahrheiten, Beleidigungen, Erniedrigungen und Hass bleiben auch in einer „bildreichen Sprache, mit kurzen Sätzen…“ das, was sie sind, unerträglich, unanständig.

Glaubwürdig ist eine Person wie Donald Trump ganz sicher nicht. Glaubhaft war das, was er gesagt hat, ebenfalls nicht. Also nehmen wir Herrn Sprenger beim Wort. Oder nicht?
Man kann nur hoffen, dass Sprenger seinen Coachees nicht wirklich nahelegt, von Trump zu lernen. Arme Mitarbeiter, arme Unternehmen.

Das wäre nicht anständig, Herr Sprenger!

Stefan Apfelbaum ist Rechtsanwalt, Systemischer Coach und Berater. Als zertifizierter Management Drives Partner liegt der Schwerpunkt seiner Tätigkeit in Projekten zur Team- und Organisationsentwicklung.

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